Saarbrücker Zeitung
Wissen Sie, wie Sie sich als Erwachsener effektiv verdächtig machen? Indem Sie auf Bäume klettern, sich ins Geäst setzen, die Beine baumeln lassen und fröhlich vor sich hin pfeifen. Bei Kindern gilt solche Unternehmung als wagemutig, charakterbildend und gesund. So lange sie nicht unfreiwillig vom Baum wieder runterkommen und sich die Knochen brechen. Bei Erwachsenen dagegen scheint eine völlig gleichartige Bewegungsleistung ihr gesundes Potential eingebüßt zu haben. Der erwachsene Baumhocker gilt schnell als verhaltensauffällig, kurz: als deppert! Man geht davon aus, er habe nicht alle Tassen im Schrank. Vielleicht ja nicht mal ein Tassenaufbewahrungsmöbel! Ähnlich wirkt ab einem Alter, das die Adoleszenz überschritten hat, vergnügtes Seilspringen, Himmel und Hölle-Hüpfen, überhaupt auf dem Boden mit Kreide malen, an einem Bach einen Damm bauen oder nachts in der Wiese schlafen. Auch die selbstvergessene Kommunikation mit Tieren scheint für die meisten Leute nicht zu den seriösen Tätigkeiten zu zählen, diejenige mit Haushunden offenbar ausgenommen. Schon das längere Gespräch mit einer Katze erachten viele Mitmenschen als recht dubios. Auch freundliche Plaudereien mit Gartenvögeln und Mäusen sind nicht besser angesehen. Warum bloß besitzt alles, was früher richtig Spaß gemacht hat, wenn man groß geworden ist, einen schlechten Leumund? Hoch oben auf dem Baum ist die Aussicht ja immer noch am schönsten, am besten schmecken die Kirschen, die man sich frisch gepflückt in den Mund plumpsen lässt. Nirgends ruht es sich herrlicher als ausgebreitet auf dem Wiesenboden. Und haben Sie mal mit einer Zauneidechse übers Wetter geredet? Das ist bereichernd. Man kann’s auch handhaben wie sie. Sie macht sich keine Gedanken über ihr Renommee. Hat aber einen Platz an der Sonne…