Hab ein Gefühl
Brauch nie mehr Schlaf
Draußen ist Frühling
Himmel strahlt
Sonne kühlt
Früh am Morgen
Klar die Luft
Vögel schütteln sich
in den Nestern
Meins ich will
bald verlassen
Aufbruch
Ruth Rousselange
Hab ein Gefühl
Brauch nie mehr Schlaf
Draußen ist Frühling
Himmel strahlt
Sonne kühlt
Früh am Morgen
Klar die Luft
Vögel schütteln sich
in den Nestern
Meins ich will
bald verlassen
Aufbruch
zum Artikel…
Wie finde ich ein gutes Buch? Die Autorin und Journalistin Ruth Rousselange gibt Tipps
zum Artikel im Eselsohr, August 2023…
Nicolas Mahler (*1969) ist ein Wiener Comiczeichner
und Illustrator. Sein Werk wurde
vielfach ausgezeichnet, u. a. erhielt er
2010 den Max und Moritz-Preis als „Bester
deutschsprachiger Comickünstler“. Seine
Comics und Cartoons erscheinen auch in der
Titanic, der NZZ am Sonntag oder der FAZ. Im
Februar erschien sein jüngstes Werk: Akira
Kurosawa und der meditierende Frosch. Ruth
Rousselange sprach mit ihm fürs Eselsohr.
War es damals für Sie auch eine Genugtuung,
von den Lehrern der Kunsthochschule abgelehnt
zu werden? So was kann ja befreiend
sein.
Eine Genugtuung, weil man abgelehnt wird
(lacht), das habe ich ja noch nie gehört. Das
wäre, glaube ich, eine Selbstlüge. Ich habe zu
der Zeit so viele Ablehnungen bekommen, dass
das eigentlich normal war. Wenn ich zurückblicke,
hat’s mich nicht so getroffen, ich bin
von nichts anderem ausgegangen. Das kann
man sich nachher schönreden und sagen, wenn
sie mich damals genommen hätten, wäre alles
ganz anders gekommen und vielleicht hätte
ich nicht so viele eigene Sachen gemacht. Aber
währenddessen ist es einfach nur negativ.
Im Laufe der Jahre hat sich alles sehr positiv
entwickelt. Sie sind ja im Kulturbetrieb elementar
angekommen.
Na ja, es war aber nicht so schnell positiv. Ich
wäre ein recht später Student gewesen. 1992
wollte ich auf die Kunsthochschule, da war ich
22 Jahre. Und von 23 bis 33 war es eine Durststrecke.
Es gab trotzdem immer gerade genug
an Ermutigung, der kleine Job in der Videothek,
irgendwer hat meine Sachen gesehen, dann hat
man wieder gehofft. Aber alles lief auf sehr
kleiner Flamme. Wenn man keine Ausbildung
hat, etwas einfach so anfängt, kommt einem
das nicht so komisch vor. Ich glaube, es ist viel
schwieriger, wenn man das Metier studiert hat
und dann rauskommt und glaubt, die Welt hätte
auf einen gewartet. Von Anfang an habe ich gewusst,
auf mich wartet sicher niemand.
Wie sieht es inzwischen mit Ihrer Auflagenhöhe
aus?
Das ist ganz unterschiedlich, je nach Buch, in
paar Tausend halt, dann wird nachgedruckt,
wenn’s gut geht. Ich hab‘ so ein Kreativausmalbuch
bei Suhrkamp gemacht, Das kleine Einschlafbuch
für Große, das hat natürlich eine
höhere Auflage als der Ulysses. (beide: Suhrkamp,
2016 + 2020).
Da sieht man’s mal. Joyce, Musil, Proust, wie
sind Sie zu den Klassikerinterpretationen gekommen?
Schon davor habe ich gerne mit bereits vorhandenen
Texten gearbeitet, dann ist diese Anfrage
von Suhrkamp gekommen. Sie möchten eine
Reihe mit gezeichneten Klassikern machen. Da
habe ich mir den Bernhard gewünscht. Der ist
gut angekommen, ich habe im Verlagsprogramm
gestöbert und bin weiter fündig geworden. Ich
mach das sehr gerne, es gibt mir Inspiration.
Sarkastisch und lakonisch wirken Ihre Comics.
Humor ist das, sarkastisch würde ich ihn nicht
nennen, eher illusionslos. Wobei das eher die
Weltsicht ist, auf der das Ganze fußt, weder
träumerisch noch niedermachend. Bösartig,
spöttisch finde ich meinen Humor nicht. Was
ich mache, sind kühle Beobachtungen, nicht
groß wertend, ohne Bitternis. Meine Figuren
sind nicht unsympathisch oder böse, sie sind
vielleicht niedergeschlagen, machen aber
trotzdem weiter. So richtig lebenslustige, positive
Menschen ohne Probleme, die können mit
meinen Sachen nix anfangen.
War ihr Stil von jeher so minimalistisch?
Der hat sich entwickelt, ich wollte ja richtiger
Comiczeichner werden, für Fix & Foxi, da war
ich aber nicht gut genug. Jetzt kann ich ja sagen,
für Fix & Foxi zu schlecht und für Suhrkamp
reicht’s (lacht sehr). Das normale Comiczeichnen
ist mir nicht gelungen, ich hab’s aber lange
probiert, dann hab ich gemerkt, nein, das
ist einfach zu anstrengend, das macht keinen
Spaß. Dann habe ich mehr einen Cartoon- als
einen Comicstil entwickelt, inspiriert von den
1960ern, von Franzosen wie Chaval. Ich wollte
auch einfach schneller sein, weil mich das fertiggemacht
hat, so lange an einer Seite zu sitzen.
Außerdem kann man mit einem einfachen
Stil viel blödere Witze machen.
Haben Sie als Kind Comichelden bewundert?
Ende der 1970er habe ich Hefte gelesen, die
es in der Trafik gegeben hat. Das war der Kiosk
mit Zigaretten, Zeitungen und den gängigsten
Comicheften, die waren nix Besonderes, aber
normal, dass man sowas liest. Asterix lustigerweise,
war mir immer zu langweilig, zu bieder.
Schon als Kind habe ich gemerkt, das mögen
sogar die Lehrer, das kann nichts sein (wieder
Lachen). Für mich ist bis heute das ärgste
Warnsignal „empfohlen von Lehrern und Pädagogen“.
Da lernt man auch was, das habe ich
schon als Kind total abstoßend gefunden.
Gefühlsmäßig war der Comickonsum etwas, das
war abgekoppelt vom Nützlichen. Es ist lustig,
wie wenig man sich im Kern ändert. Bis heute
finde ich, das Wertvollste überhaupt ist das
total Sinnlose. Vielleicht ist das ein Ausgleich
zum Alltag, wo alles immer abgewogen werden
muss, da braucht man was völlig Sinnloses, um
das Spektrum der Existenz auszukosten.
Vielen Dank für das Gespräch.
Bücher, Bücher, Bücher und Ruth Rousselange mittendrin
Witziger Esprit und Scharfsinnigkeit – die Cartoons von Wurster und die Comickunst von Meurisse
Die Berliner Künstlerin Moki und ihre grünen Bildwelten
Saarbrücker Zeitung
Es heißt ja, die heutigen Kinder würden zu ungesund essen. Zu viel Süßes, zu viel Zucker, überhaupt zu viel! Da frage ich mich, ob das früher so großartig anders war. Können Sie sich auch an die Zeiten erinnern, als an nahezu jeder verfügbaren Hauswand ein Kaugummiautomat hing? Gefüllt war er mit rundem Kauzeugs in bedenklich grellen Farben, die wir aber lustig und schön fanden. Noch schöner fanden wir, dass in dem Automat auch Plastikdinge drin waren, Ringe, Figürchen, Autos, Flummis. Hach, für 10 Pfennige konnte man sich das Paradies kaufen! Also, wenn man Glück hatte. Man wusste ja nicht, was nach Geldeinwurf und Drehen des Knaufs hinausplumpsen würde. Schon diese Spannung war paradiesisch, im Bestfall fiel einem was völlig Unverhofftes in die Hände. Die Kaugummis haben wir stets bedenkenlos gefuttert, nachdem wir die harte Glasur geknackt hatten. Mit Vorliebe stopften wir auch Eiskonfekt in uns hinein, das war in plissierte Förmchen gepackt. Außerdem haufenweise Brausepulver, weil es unvergleichlich auf der Zunge prickelte, bloß Wassereis konnte da mithalten. Wagemutige konsumierte beides gleichzeitig, was zu explosionsartigem Zungenbeben führte und zu blauen oder grünen Verfärbungen. Das Eis war ja nicht farblos, hoffentlich waren das Lebensmittelfarben! Also, früher gab es jede Menge nicht allzu Gesundes, das uns aber am allerbesten mundete. Dass sich der Geschmack eines Kaugummis meist bereits nach einer Minute verlor und so ein Wassereis eigentlich recht schal war, merkten wir gar nicht. Wir hatten Spaß. Wir waren froh, wir wollten Abenteuer. Heute wissen wir, es ist verwunderlich, dass wir trotz dieser speziellen Genüssen recht gesund groß geworden sind. Wir haben ja nicht nur gefuttert, wir sind auch auf Bäume geklettert. Hatten die Welt im Blick und die Hosentasche voller Schätze. Und voll klebriger Kaugummis…
Saarbrücker Zeitung
Wissen Sie, wie Sie sich als Erwachsener effektiv verdächtig machen? Indem Sie auf Bäume klettern, sich ins Geäst setzen, die Beine baumeln lassen und fröhlich vor sich hin pfeifen. Bei Kindern gilt solche Unternehmung als wagemutig, charakterbildend und gesund. So lange sie nicht unfreiwillig vom Baum wieder runterkommen und sich die Knochen brechen. Bei Erwachsenen dagegen scheint eine völlig gleichartige Bewegungsleistung ihr gesundes Potential eingebüßt zu haben. Der erwachsene Baumhocker gilt schnell als verhaltensauffällig, kurz: als deppert! Man geht davon aus, er habe nicht alle Tassen im Schrank. Vielleicht ja nicht mal ein Tassenaufbewahrungsmöbel! Ähnlich wirkt ab einem Alter, das die Adoleszenz überschritten hat, vergnügtes Seilspringen, Himmel und Hölle-Hüpfen, überhaupt auf dem Boden mit Kreide malen, an einem Bach einen Damm bauen oder nachts in der Wiese schlafen. Auch die selbstvergessene Kommunikation mit Tieren scheint für die meisten Leute nicht zu den seriösen Tätigkeiten zu zählen, diejenige mit Haushunden offenbar ausgenommen. Schon das längere Gespräch mit einer Katze erachten viele Mitmenschen als recht dubios. Auch freundliche Plaudereien mit Gartenvögeln und Mäusen sind nicht besser angesehen. Warum bloß besitzt alles, was früher richtig Spaß gemacht hat, wenn man groß geworden ist, einen schlechten Leumund? Hoch oben auf dem Baum ist die Aussicht ja immer noch am schönsten, am besten schmecken die Kirschen, die man sich frisch gepflückt in den Mund plumpsen lässt. Nirgends ruht es sich herrlicher als ausgebreitet auf dem Wiesenboden. Und haben Sie mal mit einer Zauneidechse übers Wetter geredet? Das ist bereichernd. Man kann’s auch handhaben wie sie. Sie macht sich keine Gedanken über ihr Renommee. Hat aber einen Platz an der Sonne…
Elektrisch flirrt über den Feldern die Luft
Zittern Apfelbaumblätter dem Abend entgegen
Schneiden Amseln durch veilchenblauen Himmel
Den Wolkenfäden Schicht um Schicht begrenzen
Täler branden Hügelschaumkronen
gegen den Fuß der Berge
Auf jedem Zaunpfahl eine Krähe
Holz Vogel Holz Vogel Holz
Die Schnäbel gen Zukunft gewandt
Im Elsass