Noch mehr Kolumnen ...

„Im Walde rauscht’s so sacht“

Die Welt, wie der Käfer sie sieht …

So nicht, Herr Sommer!

Hermann, hol’ den Hund!

Nette Enten auf stillen Tümpeln

Geräusche mit Gefühl und ohne

Whisky gut, alles gut!

Nichts zu knuspern ...

Konzentrisches Kreisen in kochenden Mobilen

Kurz vorm Fest

Blubberblasen-Stille

Kolumnen

Schatten tiefen Graus

Grau ist keine Farbe, sondern eine Art der Wahrnehmung, oder? Ruth Rousselange sinniert.

Grau ist ja nichts anderes als ziemlich bunt. Immerhin kann man es aus Rot, Gelb und Blau mischen, laut Farbenlehre. Das hat mit Lichtreflexion und Wahrnehmung zu tun. Jedenfalls kommt was Finsteres zwischen Beinhausschwarz und Morastbraun beim Mixen heraus. Ich schaue aus dem Fenster, jemand hat ein extrem wildes Farbgemisch an den Himmel gekleistert. Er changiert zwischen Dunkelgrau und Lichtgrau, durchzogen von üppigen Feldern in nebligem Aschgrau, angereichert mit frühwinterlichem Schneewolkengrau. Irgendwo weit hinter dem öden Grau scheint die Sonne, und es blinkt blau in der Stratosphäre. Es ist Advent. Wieder frage ich mich, warum nur die Leute sich gerade jetzt und bevorzugt bei trüben Wetter kollektiv in Loriot’sches Mausgrau, Staubgrau und Zementgrau hüllen. Düst’re Wagenkolonnen wälzen sich durch die Straße. Ich schaue und sinniere, denke an Farbfächer, Spektralanalyse und an Goethe. Auch daran, wieviel eine Steinlaus fressen muss, bis sie es durch eine Mauer geschafft hat. Gegenüber wird eine Hauswand gestrichen: in frischem Grau. Eigentlich nur introvertiertes Bunt, dieser Anstrich. Aber mal ehrlich, mit Bunt kann man’s auch übertreiben.

Saarbrücker Zeitung, 3. Dezember 2012