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Lärm ist nicht gleich Lärm, muss Ruth Rousselange feststellen

Schwer zu entscheiden: Was ist besser, Lärm vom Bagger oder aus dem Radio? Unser Hof bekommt ein neues Pflaster. Er wird verarztet, ein langwieriger Prozess. Erst wird der alte Belag aufgerissen und alles rausgebaggert. Dann wird neuer Schotter aufgefüllt. Die Schicht muss festgepresst werden. Ähnlich wie beim Zahnarzt, der neue Plomben macht. Das Bodenverdichten besorgt das Rüttelgerät, bzw. der Mann, der es bedient. Der Rüttler ist laut, sehr laut. Das Radio auch. Aus dem brüllt Whitney Houston \"I will always love you\". Schon leise finde ich die Schnulze schwer erträglich. Im Geräusch-Format Saarlandhallenbeschallung kommt das ungleich ärger. Vielleicht muss das Radio so laut sein, weil die Arbeitsgeräte so laut sind und sich Bauarbeiter nur wohl fühlen, wenn was um sie herum Krach macht. Selbst wenn gerade nicht gearbeitet wird. Meist singen Popstars, deren Namen ich auch nach scharfem Nachdenken nicht wüsste - an Houston erinnere ich mich noch eben so. Singt gerade keiner, bei den Nachrichten etwa, singt der Bauarbeiter selbst. Raucht dabei und schmeißt den Rüttler wieder an. Der Maschinenlärm siegt auf meiner Beliebtheitsskala. Wenigstens ist er monoton. Man kann versuchen zu denken. Stellt sich vor, man säße neben einem startenden Flugzeug, müsse bloß noch einsteigen und es ginge in Urlaub. Besser als tränendrüsiger Emotionsvibrato. Während das Flugzeug startet und der Bagger baggert, kann der Bauarbeiter soviel singen wie er will, mich stört’s nicht...

Saarbrücker Zeitung, 25. April 2012