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Hermann, hol’ den Hund!

Will man anderen nur helfen, wenn man ihnen ständig tolle Tipps gibt? Darüber grübelt Ruth Rousselange.

Es ist nicht einfach mit der Emanzipation. Vielleicht, weil man mit seiner Freiheit auch was anfangen können muss. Was richtig Gutes, Produktives: „Ach Hermann, muss jetzt dein Handy klingeln? Geh mal ran.“ Hermann, kurz H. (der natürlich eigentlich ganz anders heißt), sitzt vorm Café und geht ans Handy. Und telefoniert, aufmerksam und zuvorkommend. Doch schon kommt Gegrummel von links: „Das dauert. Was wollen die denn?“ Die Bedienung kommt, denn H. und Begleitung wollten eigentlich zuvor zahlen. „Hermann, jetzt bezahl schon.“ Die Begleitung sitzt reglos neben H., ohne einen Finger zu rühren. H. entschuldigt sich am Telefon, das Gespräch scheint sehr wichtig zu sein, Begleitung schmollt. H. bezahlt, der mitgebrachte Hund macht sich derweil auf die Pfoten. Weil H. zwecks simultanem Bezahlen und Telefonieren wohl die Leine kurz außer Acht ließ. „Hermann, der Hund, pass doch auf.“ H. ist verwirrt: „Kannst du nicht…?“ „Jetzt hol doch endlich den Hund.“ H. entschuldigt sich, für was auch immer, und spurtet dem Hund hinterher, der inzwischen einen anderen Hund gefunden hat, was er nicht soll. Begleitung ist zunehmend indigniert. Hermann versucht, das Telefonat zivilisiert zu beenden, trotz gehäufter Schmähungen vom Stuhl links. „Mein Gott, warum musstest du denn so lange telefonieren?“ H.: „Hast du nicht gesagt ich soll rangehen?“ „Ja, aber bloß um zu sagen, dass du nicht kannst.“ Hermann, Begleitung und Hund machen sich auf den Weg. Es ist wirklich nicht leicht mit der Emanzipation. Dabei gibt man sein Bestes. Das könnten auch die Männer endlich mal kapieren. Will man anderen nur helfen, wenn man ihnen ständig tolle Tipps gibt? Darüber grübelt Ruth Rousselange.

Saarbrücker Zeitung, 10. August 2011