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Kolumnen

Die Welt, wie der Käfer sie sieht …

Übles Schicksal oder späte Rache? Ruth Rousselange grübelt.

Wie kleine Kauml;&mme sehen ihre Fühler aus, und sie können so lustig damit wackeln. Tippt man mit dem Fingernagel gegen den Panzer, klingt das toll robust. Als ich klein war, hat mir mein Papa immer Maikäfer gefangen, sobald die ersten im Frühjahr auftauchten. Nicht gerade auf konventionelle Art, sondern mit dem Federballschläger leichthändig aus der Luft gepflückt, rumps. Diese abrupte Flugabkürzung haben alle Sumsemänner stets gut weggesteckt, recht erstaunlich eigentlich. Die Krabbeltierbeute stopfte ich drauf in Streichholzschachteln und ähnliche Behältnisse, für zukunftweisende Forschungszwecke. Ziemlich mitleidlos ob der Enge und Luftknappheit mit denen die Käfer fortan zu kämpfen hatten.
Kürzlich habe ich mich der Tierchen aber schmerzlich erinnert. Auf einer französischen Schnellstraße, im Mega- Stau, links Lkw, vorne Lkw, hinten Lkw. Ich mittendrin in einem schmächtig gebauten, verschwindend kleinen Automobil. Kann nicht weiter und zurück schon gar nicht. Wie von engen, hohen Wänden unbarmherzig eingeschlossen, komme ich mir vor. Nur dass die hier auch noch gräulich stinken und über mich drüberrollen könnten. Wie ich nun plötzlich mitleide mit armen Maikäfergefangenen in zwangsverordneten Minimalpappquartieren, bloß um Jahrzehnte zeitversetzt. Mir bricht der Schweiß aus. Ach, das hehre Mitgefühl, ist's doch zuvörderst auch die schöne Gabe sich selbst zu bedauern… Übles Schicksal oder späte Rache? Ruth Rousselange grübelt

Saarbrücker Zeitung, 29. Juli 2011