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Nichts zu knuspern ...

Ruth Rousselange wundert sich über ihr bislang unbekannte Aussprüche

Was manchmal so geredet wird! „Das finde ich nicht so knusper”, hörte ich jüngst einen seriös aussehenden, jungen Mann im Anzug sagen. Was will er da mitteilen? Muss ich mir Sorgen um die hiesige Backwerkproduktion oder das generelle Feingefühl in der Bäckereizunft machen? Nein, er meinte gar keine Brötchen, auch kein Müsli, sondern irgendein technisches Problem seines gerade turbulenten Geschäftsprojektes. Hat diese Knusperei etwa irgendwann Einzug in eine Redewendung gehalten? Wie ist sie da hineingeraten und warum? Mir jedenfalls ist sie bislang komplett entgangen. Ein solch offenbares Bedürfnis nach Knusprigkeit, das sich hier so schön sprachlich ausdrückt, irritiert mich, bezieht es sich auf von ihrer Genetik her knusperfrei angelegte Gegenstände oder völlig unkrosse Lebewesen. Manche sollen sogar das Wetter „nicht knusper“ finden, hab ich mir sagen lassen. Oder die neue Automarke vom Herrn Nachbar, dafür aber seine Freundin…So ein Wetter muss auch gar nicht „knusper“ sein. Und Blechkarossen erst? Gott bewahre! „Knusper”, echt jetzt! Das klingt doch einfach Banane oder? Wohl mit dem Klammerbeutel gepudert? Ich muss da an arme, ausgemergelte Eichhörnchen denken, die nach einem langen, harten Winter ihre letzten Vorräte ausbuddeln wollen und vergeblich auf dem unwirtlichen, noch frostigen Waldboden scharren. „Da find’ ich nichts zu knuspern” höre ich die hungrigen Tierchen traurig seufzen. Sicher würden die jetzt auch ein Müsli verputzen, ganz egal wie knusper….

Saarbrücker Zeitung, 22. Februar 2012