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Kolumnen

„Im Walde rauscht’s so sacht“

Mit abgassatter Luft und üppigem Verkehrsgebrumm kann das Landleben nicht dienen, dafür mit gesunder Frische, merkt Ruth Rousselange.

Felder, Wiesen, Weiden, die ganze Natur liegt einem zu Füßen, direkt vor der Haustüre. Früher hat man weite Wege im Wagen auf sich genommen, um hier betörend reine Landluft zu schnuppern und die Wanderstiefel abzulaufen. Prinzipiell beschwerlich war die Anfahrt, hat tüchtig Benzin gekostet und Zeit, und Streit gab’s auch. Wer hat wieder die Wanderkarte verlegt, im Wald nicht die Richtung gehalten und ist bedingungslos zum falschen Wanderparkplatz gestrebt? Ja, wahrlich, Wandern will gelernt sein, ein ganz und gar ernstzunehmendes Metier ist es, das seine Tücken hat. Doch vorbei diese Zeiten, nun müsste man nur den Fuß vor die Schwelle setzen, am besten allerdings beide, um zügig loszuspazieren. Landschaft wohin das Auge blickt, hier die Pferdekoppel, Brombeerbüsche, Obstbäume, da des Nachbarn Hühner, freilaufend und glücklich, dort der Hügel mit dem dunklen Waldsaum. Der Garten gleich vorm Fenster, der reicht ja auch. Man kann hineingehen, an Eiben und Zypressen zupfen, Meisen, Finken und Elstern beobachten und sie mit der Vogellockpfeife verwirren. Oder einfach nur rausschauen, von drinnen. Viel praktischer scheint das, weil wetterunabhängig. Wetter ist unberechenbar. Entweder es ist kalt oder es regnet, graupelt, ist neblig oder der Wind weht. Frisch und luftig fühlt es sich an, man wird ordentlich durchgepustet. Alles so gesund hier draußen, macht einen ganz schwindelig. Auch nicht unterschätzen sollte man den Wanderschuhabrieb. Ordentliche neue Sohlen, wo kriegt man die heute noch her? Also lieber Tee trinken, sich in den Sessel plumpsen lassen und Eichendorff lesen: „Wär’s dunkel, ich läg’ im Walde, im Walde rauscht’s so sacht, mit ihrem Sternenmantel bedeckt mich da die Nacht.“ Hach, wie wundersam schön, die Natur…

November 2015